Olympiasieger bleibt in der Spur – auch ohne Ferrari

Veröffentlicht am 25. 08, 2008, von admin, unter Reitturnier.

Vielseitigkeitsreiter Andreas Dibowski beim Turnier in Vechta

olympiasieger-dibowskiVechta – Der Stress der vergangenen zwei Wochen hat sich ein wenig gelegt, doch so ganz ist der Alltag noch nicht zurückgekehrt in das Leben von Andreas Dibowski. „Das gesteigerte Interesse hält schon noch an.Dasmerke ich auch bei so einem Turnier wie hier in Vechta. Es gibt jede Menge Glückwünsche, man wird erkannt, die Leute interessieren sich und wollen wissen, wie es so war bei Olympia“, erzählt Dibowski. Der 42 Jahre alte Vielseitigkeitsreiter aus Nindorf war am Wochenende beim Dressur- und Springturnier des RV Vechta im Einsatz; der frischgekürte Olympiasieger startete bei der 29. offenen Weser-Ems-Meisterschaft in der Vielseitigkeit. Für Dibowski war’s das erste Turnier nach dem Coup von Hongkong, wo die deutsche Equipe der Buschreiter Gold vor Australien und Großbritannien geholt hatte.

„Ich bin das erste Mal hier in Vechta“, sagt Dibowski. Die Weser- Ems-Meisterschaft auf dem Hof Gramann und dem Gelände der Landeslehrstätte habe er sich ganz gezielt ausgesucht, um seinem Nachwuchspferd FRH Fantasia mit Blick auf die Deutsche Meisterschaft am nächsten Wochenende in Schenefeld noch „eine leichtere Prüfung“ zu gönnen. Die achtjährige schwarzbraune Stute ist eins von zehn Pferden, die Dibowski in seinem Turnierstall auf dem Pohlmannshof in Nindorf 40 Kilometer südlich von Hamburg hat. „Ich war ja einige Wochen nicht zu Hause. Meine Praktikantinnen haben die Pferde super in Schuss gehalten. Aber ich wollte nicht gleich mit einer Drei-Sterne- Prüfung anfangen.“ In Vechta lief es super für das Paar. Platz eins in der Dressur, Platz eins nach dem 3300 m langen Geländeritt mit 30 Hindernissen, Platz eins nach dem finalen Springen – Dibowski und Fantasia („Sie ist kein Ferrari wie mein Olympia- Pferd Butts Leon“) wurden ihrer Favoritenrolle gerecht.

Dibowski fand außerdem die Zeit, um über seine dritten Olympischen Spiele zu plaudern. 2000 und 2004 war er Vierter mit der Mannschaft, diesmal klappte es mit Team-Gold, zudem war er Achter in der Einzelwertung. War es eine Genugtuung für das „geklaute Gold von Athen“, als die zunächst siegreiche deutsche Equipe nachträglich auf Platz vier zurückgesetzt wurde? „Ich persönlich hatte Athen relativ schnell abgehakt. Die sportliche Antwort hatten wir ja schon bei derWM2006 in Aachen gegeben. Natürlich kam jetzt in Hongkong alles wieder hoch, aber ich hab’s immer recht sachlich gesehen.“ Die rauschende Spontanparty im Hotel sei der schönste Moment gewesen. „Australier und Engländer haben mit uns auf der Bühne gefeiert. Alle haben uns den Sieg gegönnt“, sagt der Pferdewirtschaftsmeister.

Danach begann für Dibowski und Co. ein zweitägiger Termin- Marathon in Hongkong und Peking. „Das war Stress pur, wir waren ja fast auf der Flucht“, berichtet Dibowski. Der gebürtige Hamburger war froh, als er und Gattin Susanna vor neun Tagen wieder heimischen Boden betreten und ihre Kinder von den Großeltern abholen konnten. „Wir haben sie ja lange nicht gesehen. Das Wochenende haben wir sehr genossen, da konnten wir etwas zur Ruhe kommen.“

Inzwischen hat sich alles wieder eingespielt: Alina (7) geht zur Schule, Marvin (4) in den Kindergarten und Dibowski selbst, einst die Nummer zwei der Weltrangliste, ist wieder auf Turnieren im Einsatz. Bleibt noch eine Frage: Wo ist eigentlich die Goldmedaille? „Das bleibt ein Geheimnis“, schmunzelt er.